Vom Ton-Klumpen zur „burriera“…

Markus Jung • 3. Juli 2026

Es sieht immer so leicht und entspannt aus, wenn auf der Töpferscheibe aus einem Klumpen Ton wie von Geisterhand eine definierte Form entsteht. Dahinter steckt ein erlerntes Handwerk, jahrzehntelange Erfahrung und ganz viel Routine. 

Auf einem Arbeitstisch formt man beigefarbenen Ton von Hand zu einer runden Skulptur.

Aber das Drehen auf der Töpferscheibe, zugegeben der spektakulärste Teil des gesamten Prozesses, funktioniert auch nur, wenn man seine Tonmasse vorher entsprechend gut vorbereitet hat. Spezielle Knettechniken geben dem Ton eine harmonische innere Struktur, die ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf der Scheibe gut „rund“ laufen lässt und für die drehenden Hände formbar macht. 

Hände formen einen Tonzylinder an einer Töpferscheibe; Werkzeuge und nasser Ton liegen in der Nähe.

Damit z.B. ein Butterkühler in Serie, also jedes Stück gleich und in der benötigten Wandstärke gedreht werden kann, wird der bereits einmal geknetete Ton zunächst in gleich schwere Stücke portioniert. Diese werden nun erst mal zwischen den Händen zu „Bällchen“ geklopft – auch dies wieder mit einer speziellen Technik. 

Hände formen Ton auf einer sich drehenden Töpferscheibe, umgeben von Spritzern nassen Tons in einem Atelier.

Jetzt kann es losgehen – die beiden Rohlinge werden gedreht und mit Hilfe des Stichmaßes auf die richtige Höhe und den festgelegten Durchmesser gebracht. Beide Teile sehen schon wie Unterteil und Deckel aus. Jetzt müssen sie aber zunächst trocknen, bis sie nicht mehr „wabbelig“ sind und genügend Stabilität haben. 

Hände formen eine kleine Tonschale auf einer Töpferscheibe; im Hintergrund sind weitere unfertige Schalen zu sehen.

In dieser Phase werden sie „gehegt und gepflegt“ – immer wieder wird der Trocknungszustand überprüft. Die Stücke müssen gewendet werden, damit sie gleichmäßig trocknen, bis sie „lederhart“ sind. 

Hände formen einen kleinen Tontopf auf einer Töpferscheibe, umgeben von geschnitzten Tonresten.

Das Material ist formstabil aber noch feucht und kann im zweiten Schritt, dem Abdrehen, mit einer Abdrehschlinge bearbeitet werden. Die Burriera bekommt nun ihre finale und definierte Form, und auch das Deckeldekor wird herausgearbeitet. 

Hände, die einen beigefarbenen zylindrischen Lampenschirm oder ein Leuchtenbauteil halten

Ebenso ist „Hochzeit“ – Ober- und Unterteil werden passend gemacht und zusammengeführt. 

Reihen von hellbraunen Tondeckeln mit eingravierten Blumenmustern in einer Töpferwerkstatt

Der so abgedrehte Butterkühler muss nun wiederum gut eine Woche durchtrocknen, bevor er in den Brennofen für den ersten Brand (Schrühbrand) bei 950° C kommt. Das Brennen dauert alles in allem 9 Stunden und die Abkühlzeit zwischen 2 und 3 Tage. Aus dem sandfarbenen Ton ist nun ein terrakotta-ähnliches Keramikstück geworden, das irgendwie an einen „Blumentopf“ erinnert. 

Hände schleifen einen beigen Tontopf mit feinem Schleifpapier.

Dieser „Blumentopf“ wird nun manuell geschliffen. Kleine herausstehende, spitze Schamottestückchen oder rauhe Flächen werden so geglättet. 

Die dicke Flüssigkeit wird von Hand aus einer beigen Tasse in eine weiße Schüssel gegossen.

Danach erfolgt das Glasieren – eine weiße, flüssige Mischung wird per Kelle in Unter- und Oberteil gefüllt, mit einer speziellen Drehbewegung ausgeschwenkt und ausgegossen. 

Eine Person gießt klare Flüssigkeit aus einer weißen Flasche in einen weißen Eimer

Ebenso wird das Deckeldekor durch Aufgießen und Ablaufenlassen glasiert. 

Hände schnitzen mit einem Werkzeug ein Spiralmuster in einen weißen Tontopf.

Wenn die Glasur aufgetrocknet ist, wird sie entlang der Konturen und Ränder mit einem Messer weggeschabt. 

Ich drücke einen Schwamm mit der Hand über einer weißen, spiralförmigen Seifenschale auf einem beigen Becher aus.

Mit einem nassen Schwamm wird danach alles gut sauber gewischt. 

Gestapelte Regale mit beigefarbenen, zylindrischen Behältern mit dunklen Deckeln in einem Lagerbereich

Im folgenden zweiten Brand (Glatt- oder Glasurbrand), verbindet sich bei 1280° C die Glasur mit dem Tonkörper; sie bildet ihre Farbe und Härte aus. Der Ton selbst sintert (verschmilzt) komplett und bekommt seine sandfarbene Optik zurück. Auch dieser Brennvorgang dauert 9 Stunden, gefolgt von 3 Tagen Abkühlzeit. 

Eine Reihe beigefarbener Keramikbehälter mit Deckeln steht auf Regalen, gesehen aus dem Inneren eines Schranks.

Die burrieras werden aus dem Ofen genommen, nochmals manuell geschliffen, gespült und ausgepreist für den Verkauf. Bis ein Butterkühler dann letztendlich im Ladenregal steht, wird ungefähr 20 mal Hand angelegt… 

Die Beschreibung dieses Fertigungsprozesses verzichtet auf handwerkliche Details innerhalb der einzelnen Phasen. Man kann aber trotzdem so eine Ahnung gewinnen, wie viel Arbeit, Zeit und Zuwendung in jedem einzelnen Stück steckt.

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