Vom Ton-Klumpen zur „burriera“…
Es sieht immer so leicht und entspannt aus, wenn auf der Töpferscheibe aus einem Klumpen Ton wie von Geisterhand eine definierte Form entsteht. Dahinter steckt ein erlerntes Handwerk, jahrzehntelange Erfahrung und ganz viel Routine.

Aber das Drehen auf der Töpferscheibe, zugegeben der spektakulärste Teil des gesamten Prozesses, funktioniert auch nur, wenn man seine Tonmasse vorher entsprechend gut vorbereitet hat. Spezielle Knettechniken geben dem Ton eine harmonische innere Struktur, die ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf der Scheibe gut „rund“ laufen lässt und für die drehenden Hände formbar macht.

Damit z.B. ein Butterkühler in Serie, also jedes Stück gleich und in der benötigten Wandstärke gedreht werden kann, wird der bereits einmal geknetete Ton zunächst in gleich schwere Stücke portioniert. Diese werden nun erst mal zwischen den Händen zu „Bällchen“ geklopft – auch dies wieder mit einer speziellen Technik.

Jetzt kann es losgehen – die beiden Rohlinge werden gedreht und mit Hilfe des Stichmaßes auf die richtige Höhe und den festgelegten Durchmesser gebracht. Beide Teile sehen schon wie Unterteil und Deckel aus. Jetzt müssen sie aber zunächst trocknen, bis sie nicht mehr „wabbelig“ sind und genügend Stabilität haben.

In dieser Phase werden sie „gehegt und gepflegt“ – immer wieder wird der Trocknungszustand überprüft. Die Stücke müssen gewendet werden, damit sie gleichmäßig trocknen, bis sie „lederhart“ sind.

Das Material ist formstabil aber noch feucht und kann im zweiten Schritt, dem Abdrehen, mit einer Abdrehschlinge bearbeitet werden. Die Burriera bekommt nun ihre finale und definierte Form, und auch das Deckeldekor wird herausgearbeitet.

Ebenso ist „Hochzeit“ – Ober- und Unterteil werden passend gemacht und zusammengeführt.

Der so abgedrehte Butterkühler muss nun wiederum gut eine Woche durchtrocknen, bevor er in den Brennofen für den ersten Brand (Schrühbrand) bei 950° C kommt. Das Brennen dauert alles in allem 9 Stunden und die Abkühlzeit zwischen 2 und 3 Tage. Aus dem sandfarbenen Ton ist nun ein terrakotta-ähnliches Keramikstück geworden, das irgendwie an einen „Blumentopf“ erinnert.

Dieser „Blumentopf“ wird nun manuell geschliffen. Kleine herausstehende, spitze Schamottestückchen oder rauhe Flächen werden so geglättet.

Danach erfolgt das Glasieren – eine weiße, flüssige Mischung wird per Kelle in Unter- und Oberteil gefüllt, mit einer speziellen Drehbewegung ausgeschwenkt und ausgegossen.

Ebenso wird das Deckeldekor durch Aufgießen und Ablaufenlassen glasiert.

Wenn die Glasur aufgetrocknet ist, wird sie entlang der Konturen und Ränder mit einem Messer weggeschabt.

Mit einem nassen Schwamm wird danach alles gut sauber gewischt.

Im folgenden zweiten Brand (Glatt- oder Glasurbrand), verbindet sich bei 1280° C die Glasur mit dem Tonkörper; sie bildet ihre Farbe und Härte aus. Der Ton selbst sintert (verschmilzt) komplett und bekommt seine sandfarbene Optik zurück. Auch dieser Brennvorgang dauert 9 Stunden, gefolgt von 3 Tagen Abkühlzeit.

Die burrieras werden aus dem Ofen genommen, nochmals manuell geschliffen, gespült und ausgepreist für den Verkauf. Bis ein Butterkühler dann letztendlich im Ladenregal steht, wird ungefähr 20 mal Hand angelegt…
Die Beschreibung dieses Fertigungsprozesses verzichtet auf handwerkliche Details innerhalb der einzelnen Phasen. Man kann aber trotzdem so eine Ahnung gewinnen, wie viel Arbeit, Zeit und Zuwendung in jedem einzelnen Stück steckt.

